Adolf Niesmann, Caffè Flavio Gioia in Positano, 1930, Landesmuseum Oldenburg
© Sven Adelaide

Licht des Sü­dens – Künst­ler se­hen Ita­li­en


Ab dem 17. Juli 2021 versammelt die Sonderausstellung „Licht des Südens – Künstler sehen Italien“ erstmals rund 100 Italiendarstellungen aus allen Sammlungsbereichen des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte – ergänzt durch Leihgaben aus Privatbesitz. Zu sehen sein werden italienische Landschaftsgemälde der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, aber auch zahlreiche Landschaftsskizzen, Genreszenen und Antikenstudien von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein sowie faszinierende Darstellungen der römischen Campagna des Oldenburger Hofmalers Ludwig Philipp Strack und Ernst Wilhelm Dietrich Willers.

Als besonderes Highlight werden einige Werke der Ausstellung mit der eigens entwickelten Augmented-Reality-App „Guckkasten digital“ erlebbar sein. Während es im 18. Jahrhundert vor allem Schausteller waren, die es den Menschen mit sogenannten Guckkästen ermöglichten, in ihrer Vorstellung an ferne Orte zu reisen, können heute mithilfe digitaler Formate wie der Augmented-Reality-App eine Zeichnung oder Druckgrafik unmittelbar mit dem Vorbild, bspw. einer Skulptur, verglichen und in neuer Perspektive gesehen werden.

Die ausgestellten Gemälde, Druckgrafiken und Zeichnungen treten außerdem in einen Dialog mit ausgewählten historischen Fotografien, die bislang noch nie gezeigt wurden. Durch die Linse der Fotografen sehen die Besucherinnen und Besucher ein erstaunlich lebendiges Bild der italienischen Landschaften und Menschen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Damals konnten florierende Ateliers wie Alinari, Brogi, Carlo Naya und Giorgio Sommer den steigenden Bilderhunger nach Ansichten aus Italien stillen, heute bieten sie dem staunenden Ausstellungsbesucher einen faszinierenden Blick zurück in die Fotowelt vor rund 150 Jahren.

Insgesamt führt die Sonderausstellung die Besucherinnen und Besucher durch neun aufeinander folgende Themenräume. Im ersten Abschnitt geht es um die Faszination für das Fremde und die Möglichkeiten eines frühen Massenmediums, Interessierte zumindest in ihrer Vorstellung an ferne Orte reisen zu lassen: durch einen Guckkasten. Und auch nicht jeder Künstler, der Italien gemalt hat, muss zwingend vor Ort gewesen sein.

Als das Reisen – im Vergleich zu heute – noch sehr beschwerlich war, entstanden zahlreiche „italianisierende“ Landschaften, also Darstellungen, die keinen konkreten Ort beschreiben. Sie entsprangen vielmehr der Fantasie der Künstlerinnen und Künstler. Die weitverbreiteten Drucke italienischer Meisterwerke der Renaissance und des Barock ermöglichten es den Kunstschaffenden nördlich der Alpen, von ihnen Kenntnis zu haben, ohne je in Italien gewesen zu sein. Dennoch blieben die Italienreise und das Studium der Originale vor Ort stets Teil der klassischen Künstlerausbildung. Zwei Räume widmen sich ausführlich dem „schönen Land“. In Tivoli, Frascati oder Ariccia versuchten die Künstlerinnen und Künstler, die unberührte Natur einzufangen. Wie der Oldenburger Hofmaler Ernst Wilhelm Dietrich Willers malten sie nun en plein air (im Freien) und versuchten, den Moment und das besondere südlich warme Licht einzufangen. Künstler wie Anselm Feuerbach oder Alfred Zoff brachte das Licht der Mittelmeerküste dazu, stimmungsvolle Momentaufnahmen festzuhalten, die in den Ausstellungsräumen mehrfach wiederkehren.

Die Sehnsucht nach Italien ist bis heute ungebrochen. Deutsche Malerinnen und Maler sind jedoch nicht nur dorthin aufgebrochen, um sich die Kulturschätze anzueignen, sondern auch, um den lebendigen italienischen Alltag zu erleben. Bäuerinnen, Fischer, Mönche und Hirten waren beliebte Motive. Die Kunstschaffenden studierten die Menschen und ihre Bräuche, die Landschaft, antike wie zeitgenössische Kunstwerke. Diese Eindrücke brachten sie zusammen mit unzähligen Skizzen zurück nach Deutschland – auch nach Oldenburg, wo sie nun in der stimmungsvollen Schau „Licht des Südens“ zu entdecken sind.

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Kathleen Löwe
Damm 1
26135 Oldenburg
Telefon: 0441 40570 436

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