Der Tourismus bleibt einer der zentralen Wirtschaftsfaktoren in Ostfriesland. Im Jahr 2025 erzielte die Branche einen Bruttoumsatz von mehr als 3,4 Milliarden Euro. Das zeigt die aktuelle Studie der dwif-Consulting GmbH zum ökonomischen Stellenwert des Tourismus in Ostfriesland. Beauftragt wurde die Untersuchung von der Ostfriesland Tourismus GmbH (OTG) gemeinsam mit ihren Gesellschaftern. Die Ergebnisse wurden heute der Gesellschafterversammlung der OTG in Wittmund vorgestellt.
Insgesamt wurden 2025 rund 54,1 Millionen touristische Aufenthaltstage in Ostfriesland gezählt. Davon entfielen 24,8 Millionen auf Tagesgäste. Gegenüber der Vorgängerstudie, die sich auf das Jahr 2022 bezog, entwickelten sich sowohl die Übernachtungen als auch der Tagestourismus positiv. Leicht rückläufig waren lediglich die Übernachtungen bei Freunden, Bekannten und Verwandten. Dies hängt unter anderem mit der niedrigeren Einwohner- und Haushaltszahl zusammen, die in die aktuelle Berechnung eingeflossen ist. Übernachtungsgäste gaben im Durchschnitt 105,00 Euro pro Tag aus, Tagesgäste 29,70 Euro. Insgesamt stiegen die Aufenthaltstage um 1,8 Prozent. Der Bruttoumsatz legte mit einem Plus von 14,6 Prozent deutlich stärker zu. Der deutlich stärkere Umsatzanstieg zeigt, dass neben der gestiegenen Zahl der Aufenthaltstage vor allem höhere Ausgaben der Gäste vor Ort eine wichtige Rolle spielen.
„Die aktuellen Ergebnisse unterstreichen die starke wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für Ostfriesland. Er ist ein bedeutender Umsatzbringer, stärkt regionale Betriebe und sichert Wertschöpfung direkt vor Ort“, betont Matthias Groote, Landrat des Landkreises Leer und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der OTG. „Besonders wertvoll ist, dass die Studie nicht nur den Blick auf Ostfriesland insgesamt ermöglicht, sondern durch die Beteiligung unserer Gesellschafter auch wichtige teilregionale Ergebnisse liefert. Die positive Umsatzentwicklung ist in allen Landkreisen und in der kreisfreien Stadt Emden erkennbar. Damit verfügen wir über eine belastbare Datengrundlage, um die Bedeutung des Tourismus für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und kommunale Infrastruktur noch gezielter sichtbar zu machen.“
„Die touristische Nachfrage in Ostfriesland hat sich nach den Krisenjahren stabilisiert und wirtschaftlich weiterentwickelt. Der deutliche Umsatzanstieg ist jedoch nicht allein durch mehr Aufenthaltstage zu erklären“, erläutert Florian Weber, Consultant der dwif-Consulting GmbH. „Eine wesentliche Rolle spielen gestiegene Reiseausgaben, unter anderem infolge der Preisanpassungen der letzten Jahre. Besonders im Gastgewerbe wird das deutlich, da höhere Kosten für Personal und Energie an den Gast weitergegeben werden. In Folge der Inflation und einer Lohnentwicklung, die niedriger als die Inflationsrate ausfällt, sind viele Haushalte gezwungen, zu sparen, wodurch es zu Veränderungen im Ausgabeverhalten der Gäste kommt. Es wird zunehmend bei den Zusatzausgaben gespart. Unabhängig davon verdeutlichen die Ergebnisse eindrucksvoll, welche wirtschaftlichen Effekte diese Nachfrage in der Region entfaltet und wie breit der Tourismus in die regionale Wirtschaft hineinwirkt.“
Auch Imke Wemken, Geschäftsführerin der Ostfriesland Tourismus GmbH, sieht in den Ergebnissen ein wichtiges Signal für die Branche: „Ostfriesland ist touristisch stark aufgestellt. Dass wir das Vor-Corona-Niveau beim Umsatz übertreffen, ist eine erfreuliche Nachricht und zeigt, wie wichtig der Tourismus für unsere Region ist. Gleichzeitig dürfen wir die Herausforderungen nicht ausblenden. Die höheren Umsätze spiegeln auch gestiegene Kosten und Preise wider. Viele Betriebe stehen weiterhin unter Druck, etwa durch Personalmangel, steigende Betriebskosten und ein verändertes Konsumverhalten der Gäste. Umso wichtiger ist es, dass wir die Branche mit verlässlichen Zahlen sichtbar machen und ihre Bedeutung immer wieder deutlich benennen.“
Die Studie zeigt zudem, dass vom Tourismus zahlreiche Wirtschaftsbereiche profitieren. Der Anteil des Gastgewerbes, also der Bereiche Übernachtung und Gastronomie, am touristischen Gesamtbruttoumsatz liegt bei 57,5 Prozent. Auf den Einzelhandel entfallen 22,3 Prozent, auf Dienstleistungen 20,2 Prozent. Damit zeigt sich: Die touristische Wertschöpfung bleibt breit in der regionalen Wirtschaft verankert. Auch Verkehrsbetriebe, Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie viele weitere Dienstleister profitieren von den Ausgaben der Gäste.
Neben Umsatz und Nachfrage betrachtet die Studie auch die Wirkung des Tourismus auf Einkommen und Beschäftigung. Der touristische Einkommensbeitrag ist gegenüber der Vorgängerstudie gestiegen. Rein rechnerisch entspricht er einem Einkommensäquivalent von 58.420 Personen, die durch die touristische Nachfrage ein durchschnittliches Primäreinkommen von 29.329 Euro pro Kopf und Jahr beziehen könnten. Dieser Wert ist nicht mit der tatsächlichen Zahl der Beschäftigten gleichzusetzen, da viele Menschen nur anteilig vom Tourismus leben oder in unterschiedlichen Beschäftigungsformen tätig sind.
Neu weist die Studie zusätzlich ein Beschäftigtenäquivalent aus. Diese Kennziffer bildet die Beschäftigungswirkung des Tourismus genauer ab, weil sie sowohl die verschiedenen Beschäftigungsformen der Tourismusbranche, als auch die nach den vom Tourismus profitierenden Branchen gewichteten durchschnittlichen Arbeitnehmerentgelte berücksichtigt. Die touristische Wertschöpfung von 1.713,4 Millionen Euro entspricht demnach einem Beschäftigtenäquivalent von rund 59.262 Personen. Grundlage ist ein regional- und branchenspezifisches Arbeitnehmerentgelt von 28.912 Euro pro Kopf. Damit wird die Bedeutung des Tourismus für den Arbeitsmarkt in Ostfriesland noch präziser sichtbar.
Auch die öffentliche Hand profitiert von der touristischen Nachfrage. Das durch den Tourismus bedingte Aufkommen aus Mehrwertsteuer und Einkommensteuer beläuft sich laut Studie auf rund 314,8 Millionen Euro. Über Steuerumverteilungen fließen diese Mittel anteilig wieder in die Region zurück und tragen dazu bei, Infrastruktur zu erhalten, Lebensqualität zu sichern und die Standortattraktivität Ostfrieslands weiter zu stärken.
