Der Heilbäderverband Niedersachsen e. V. kam aktuell zu seiner Mitgliederversammlung in Bad Nenndorf zusammen. Im Mittelpunkt standen zentrale Zukunftsfragen der niedersächsischen Heilbäder und Kurorte. Diskutiert wurden unter anderem die Weiterentwicklung im Bereich Thalasso, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Kommunikationsarbeit des Verbandes sowie strategische Themen auf Landes- und Bundesebene.
Die Beratungen machten deutlich: Heilbäder und Kurorte sind weit mehr als klassische Reiseziele. Sie fungieren als bedeutende Gesundheitsstandorte, touristische Anziehungspunkte und wichtige Faktoren für Lebensqualität sowie regionale Wertschöpfung. Um diese Funktionen auch künftig erfüllen zu können, sind verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen unerlässlich.
Große Bedeutung für das Land Niedersachsen
Der Heilbäderverband Niedersachsen nutzte die Mitgliederversammlung, um die Bedeutung der Kurorte für das Land hervorzuheben. Themen wie Qualitätssicherung, wirtschaftliche Stabilität, Finanzierungsfragen und strategische Weiterentwicklung betreffen nicht nur einzelne Orte, sondern die Zukunft eines gesamten Sektors mit hoher gesundheitlicher, touristischer und struktureller Relevanz.
„Die Interessen unserer Mitgliedsorte werden wir weiterhin fachlich und politisch aktiv und erfolgreich vertreten“, betonte der Vorsitzende des Verbandes, Dr. Norbert Hemken. In den vergangenen Monaten seien auf Landesebene wichtige Fortschritte erzielt worden, insbesondere bei der Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für Heilbäder und Kurorte. Zudem konnte in den Preisverhandlungen mit der AOK Niedersachsen und dem Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) für das Jahr 2026 eine Erhöhung der Heilmittelpreise um 5,17 Prozent erreicht werden.
Tourismus als Leitökonomie braucht finanzielle Unterstützung
Der Tourismus sichert in Niedersachsen direkt und indirekt rund 580.000 Arbeitsplätze. Gleichzeitig erhalten die Kommunen mit etwa 710 Euro pro Kopf aus dem kommunalen Finanzausgleich bundesweit die geringste Unterstützung. Zum Vergleich: Thüringen zahlt rund 1.353 Euro, Baden-Württemberg etwa 1.261 Euro und Hessen rund 1.110 Euro pro Kopf. Auch bei der direkten Förderung zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Während Niedersachsen derzeit rund 2 Millionen Euro jährlich für Tourismuskommunen bereitstellt, investieren andere Bundesländer zweistellige Millionenbeträge in ihre Kur- und Erholungsorte.
„Wer den Tourismus politisch zur Leitökonomie erklärt, muss ihn auch entsprechend finanzieren. Alles andere schwächt unsere Kommunen und gefährdet langfristig Arbeitsplätze, Infrastruktur und Lebensqualität“, erklärte Andrea Pospich, Kreisrätin des Landkreises Cuxhaven.
Starke Stimme in Berlin und Brüssel
Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die geplante Neustrukturierung des Deutschen Heilbäderverbandes e. V. (DHV) an Bedeutung. Ziel ist eine stärkere, professionellere und schlagkräftigere Interessenvertretung auf Bundes- und EU-Ebene. Detlef Jarosch von der Beratungsagentur Project M betonte: „Die geplante Neustrukturierung ist ein wichtiger Schritt, um die Interessen der Kur- und Erholungsorte künftig mit mehr Gewicht, Klarheit und gemeinsamer Stimme in Berlin und Brüssel zu vertreten.“
Fazit
Die Mitgliederversammlung machte deutlich: Niedersachsens Heilbäder und Kurorte stehen vor wichtigen Zukunftsaufgaben. Um ihre Rolle als Gesundheitsstandorte und wirtschaftliche Motoren langfristig zu sichern, braucht es klare politische Unterstützung, stabile Finanzierung und eine starke Interessenvertretung auf allen Ebenen.
BU: v.li.n.re.: Vorstand des Heilbäderverbandes Niedersachsen: Dr. Norbert Hemken, Wilhelm Loth, Martin Kaune, André Schubert, Nadine Levermann, Olaf Raffel
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Starke Kurorte brauchen starke Stimme
