"Von wegen 'Papa Haydn'" heißt das Motto der 81. Festivalausgabe. Auch jene, die meinen schon alles über Haydn zu wissen, werden überrascht sein, zumal die von Intendant Oliver Wille eingeladenen MusikerInnen und Ensembles sich von Haydns Ideenreichtum, Entdeckergeist und Humor zu spannenden Querverbindungen anregen lassen.
Das zeigt sich schon im Eröffnungskonzert mit Giovanni Sollima & Friends. Von traditioneller Musik verschiedener Kulturen, Eigenkompositionen und Improvisationen integriert der vielseitige Cellist (Foto), der 2025 sein Konzert bei den "Sommerlichen" absagen musste, auch das Baryton, das Lieblingsinstrument von Haydns Dienstherr Fürst Nikolaus von Esterházy.
Eine Gegenüberstellung von Alt und Neu, auch von „alten“ Instrumenten wie Theorbe und Cembalo (Max Volbers, Foto), macht das Ensemble rund um den Oboisten Kai Frömbgen (Foto) mit Werken von Zelenka, Heinichen, Fasch, Haydn und Isang Yun.
Das Trio Antje Weithaas (Foto), Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen schaut von Haydn aus in die Zukunft mit Werken von Franz Schubert, Antonín Dvořák und György Kurtág. Letzterer feierte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag, ebenso wie Morton Feldman, den Steffen Schleiermacher in einer der Hörerakademien in den Mittelpunkt rückt.
Auch das Klavierduo GrauSchumacher würdigt Kurtág mit seinem Zyklus „Jatékok“ und kombiniert ihn mit Divertimenti von Haydn und Henze sowie Werken des Impressionismus. Die zweite Hörerakademie mit Oliver Wille und seinem Kuss Quartett beleuchtet Haydns Menuette, von denen es ebenso viele kunstvolle gibt wie seine vielgerühmten Streichquartette.
Joseph Haydn – man kennt sein Portrait aus London mit enstpanntem, leicht humorvollem Blick (Foto, gemalt von Thomas Hardy 1792) – war nicht nur der ältere Herr, der klischeehaft mit Perücke auf Schloss Esterházy residierte, sorgenfrei komponierte dank gesichertem Einkommen und seinen musikliebenden Fürsten mit Werken aller Gattungen erfreute. Er war ein Suchender, ein Erfinder!
Mit „Trotz Haydn!“ gibt einen außergewöhnlichen, speziell aufs Festival zugeschnittenen Liederabend mit u.a. Dorothea Röschmann (Foto) und Ian Bostridge. Zusammen mit Jan Philipp Schulze am Klavier spannen vier Sängerinnen und Sänger einen Bogen von Haydn bis ins Heute, und das nicht nur klassisch.
Sehr klassisch wird es mit Kristian Bezuidenhout, der am Hammerklavier brillant und klangvoll „Papa“ Haydn und Mozart einander gegenüberstellt. Dass Jazz auch ein „Haydn“-Spaß sein kann, beweisen Till Brönner (Foto) und Frank Chastenier mit ihrer einfallsreichen Improvisationskunst.
Die 2024 begonnenen Debüts sind wieder dabei, diesmal auf zwei Festivaltage verdichtet, um zwischen den vielfältigen Programmen in den Pausen den Austausch mit den preisgekrönten jungen Talenten zu ermöglichen. Debüt-Tag I am ersten Festivalwochenende gestalten Igor Levit (Foto) und Markus Becker (Foto) mit vier jungen Pianistinnen und Pianisten (Séverine Kim, Robert Neumann, Roman Borisov und Dongping Wang), am zweiten Festivalwochenende gibt es Debüt-Tag II mit vier jungen Streichquartetten (Arete Quartet, Nerida Quartet, Quartet Integra und Quartet Opus13).
Seien Sie am besten den ganzen Tag dabei und genießen Sie Musik und Pausengespräche mit den Künstlerinnen und Künstlern - es lohnt sich!
„Kultur ist nicht die Verzierung des Alltags, sondern die Substanz des sozialen Miteinanders“, sagt Prof. Dr. Berthold Vogel, der geschäftsführende Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI) an der Georg-August-Universität".
In Zusammenarbeit mit ihm findet unser diesjähriges „Forum Nachhaltigkeit / Zukunftsfähigkeit“ statt. Darin geht es um die Tradition, die gesellschaftliche Rolle und die Zukunftsfähigkeit eines regionalen Festivals, das weit über die Landesgrenzen hinaus geschätzt wird, international als „musikalisches Kleinod“ bekannt ist und seit mehr als 80 Jahren besteht.
Und da darf auch in diesem Sommer das beliebte „Chorsingen für ALLE“ nicht fehlen, das erstmals in den Händen der renommierten Chorleiterin Gudrun Schröfel liegt, ebenso wie ein sich während des Festivals formierendes Orchester.
Joseph Haydn widmen sich auch zwei Abende mit Lesung und Musik: Udo Samel (Foto) liest Lawrence Sternes „Tristam Shandy“ begleitet vom Kuss Quartett (Foto) und Martina Gedeck (Foto) erzählt von Haydns Zeit in London, begleitet vom Pianisten Sebastian Knauer (Foto).
Mit dem Kuss Quartett und Haydns “Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze” verschränkt mit einer Uraufführung von Matthew Shlomowitz sowie umrahmt von Ballett mit internationalen Solisten rund um den Choreografen und Solotänzer des Hamburg Balletts Aleíx Martínez enden die „Sommerlichen“ nach neun Tagen mit einem bewegenden Finale.
