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Museum Lüneburg: MEMORY DER DINGE

© Museum Lüneburg

Ein Erzähl- und Erinnerungsprojekt im Museum Lüneburg geht online

Ab Mai 2026 ist das partizipative Ausstellungsprojekt MEMORY DER DINGE des Museum Lüneburg digital erlebbar. 
Seit August 2025 wurden über 50 persönliche Objekte und ihre Geschichten gesammelt, filmisch festgehalten und zu kurzen Beiträgen verdichtet. Das innovative Projekt wurde mit insgesamt 81.000 Euro gefördert von der Stiftung Niedersachsen und den Historischen Stiftungen der Hansestadt Lüneburg.

Die Geschichten erzählen von individuellen Lebenswegen, Erinnerungen und prägenden Momenten – und eröffnen zugleich neue Perspektiven auf die Stadtgesellschaft in Lüneburg. Vor Ort im Museum können Besucher*innen die Beiträge an einer interaktiven Medienstation entdecken, online steht eine Auswahl der Filme ab Mai 2026 bereit. 

Mit dem MEMORY DER DINGE erweitert das Museum Lüneburg seine Perspektive bewusst um die Stimmen der Stadtgesellschaft. „Die Sammlung entsteht hier im direkten Austausch mit den Menschen vor Ort in Lüneburg und die persönlichen Geschichten ergänzen unsere bestehenden Bestände um eine vielstimmige Dimension“, so Museumsleiterin Dr. Heike Düselder. „Zugleich eröffnet das Projekt neue Wege für zukünftige Formate – sowohl im digitalen Raum als auch in der partizipativen Museumsarbeit.“ 

Ein partizipatives Ausstellungsprojekt 

Mit MEMORY DER DINGE realisiert das Museum Lüneburg ein partizipatives Ausstellungsprojekt, an dem sich alle in Lüneburg lebenden Menschen beteiligen konnten. Gesammelt wurden Gegenstände mit persönlicher Bedeutung – von Erinnerungsstücken über Alltagsobjekte bis hin zu besonderen Fundstücken.

Die Teilnehmenden waren eingeladen, ihre Objekte ins Museum zu bringen und die dazugehörigen Geschichten zu erzählen. Diese wurden in einem eigens eingerichteten Studio von Projektleiterin und Filmemacherin Antje Hubert per Video oder Audio aufgezeichnet, fotografisch dokumentiert und anschließend wieder an die Besitzer*innen zurückgegeben. Zusätzlich war das Projektteam rund um die Filmemacherin Antje Hubert mit einem mobilen Aufnahmestudio an sechs verschiedenen Orten im Stadtgebiet präsent, darunter in Seniorenheimen und Stadtteilzentren. Insgesamt konnten über 50 Objektgeschichten gesichtet, gefilmt und in zwei- bis fünfminütigen Filmen verdichtet werden.

Medienstation im Museum Lüneburg und online Präsentation

Präsentiert werden die gesammelten Filmbeiträge an einer interaktiven Medienstation in Raum „erinnern & erhalten“ im Museum Lüneburg. Die zwei- bis vierminütigen Filme können nach Themen sortiert oder einfach nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden. 

Der Filmemacherin Antje Hubert ist es gelungen, durch die direkten und lebensnahen Erzählungen der Protagonisten, eine große Nähe herzustellen und gleichzeitig durch das Fokussieren auf das Objekt eine Distanz zu schaffen, die eigene Erinnerungen auslöst und die Zuschauenden zum Weitererzählen einlädt. 

Ab sofort steht eine Auswahl der digitalen Ausstellung auf der Internetseite des Museums bereit: https://museumlueneburg.de/memory-der-dinge/

Persönliche Geschichten im Mittelpunkt

Wie auf einer Kachelwand sind 50 Objekte angeordnet und anwählbar. Die dazugehörigen Filme zeigen Frauen und Männer im Alter von 20 bis 87 Jahren aus verschiedenen Lebenslagen und Berufsgruppen. Sie präsentieren ihre mitgebrachten Objekte und erzählen ihre Geschichten: Spielzeuge, Haushaltsgegenstände, Musikinstrumente, Steine, Taschen, Schmuckstücke. Zwischen dem kleinsten Objekt – eine Bergspitze aus Kreta, die vom Sohn eines griechischen Arbeitsmigranten stammt und dem größten Objekt – einer verbeulten Tuba, liegt das Leben. 

Ein Kaleidoskop der Stadtgesellschaft

Jede Geschichte ist persönlich: sie beschreibt besondere Momente im Leben eines einzelnen Menschen und wirft zugleich ein Licht auf die Zeitumstände, die diesen Moment begleiteten. Die Erzählungen kreisen um Wendepunkte, Freude und Trauer, um Rituale und Gewohnheiten des Alltags. Es sind Geschichten, die Identität prägen, für wichtige Lebensabschnitte typisch sind oder Einblicke in die Herkunftsregionen der Beteiligten geben.

Sie handeln vom Ankommen in der Fremde, etwa anhand eines Schlüsselanhänger eines Studenten aus Nigeria oder dem Abakus einer umgesiedelten Deutschen aus Kasachstan. Sie erzählen vom Kindsein unter schwierigen Bedingungen: der Spielzeug-Autobagger eines Bewohners im Seniorenheim oder das Märchenbuch einer Lüneburgerin, das sie in ihrer Kindheit begleitet hat. Oft sind es die Großeltern, die in der Kindheit für Rettung, Geborgenheit und Inspiration sorgten – davon zeugen eine Hutmacherform, Festivalbändchen oder ein Badehandtuch.

Die kurzen Filme können nach Themen sortiert oder einfach nach dem Zufallsprinzip auswählt werden. Sie entfalten eine Sogwirkung, weil sie so direkt und lebensnah erzählt werden und schaffen durch das Fokussieren auf das Objekt dennoch eine Distanz, die eigene Erinnerungen auslöst und die Zuschauenden zum Weitererzählen einlädt. 

Projektteam

Hinter dem Projekt steht ein Team unter der Leitung von Museumsleiterin Prof. Dr. Heike Düselder und der Filmemacherin Antje Hubert. Studentische Projektmitarbeiterin war Annalena Walther, die zusammen gemeinsam mit der Projektleitung das Konzept erarbeitet hat, sowie Interviews geführt und Filme geschnitten hat. Die Bremer Grafikerin Sibyll Amthor zeichnet verantwortlich für das Design, programmiert wurde die interaktive Station von der Lüneburger Agentur Späte mit Schwalbe, die Installation der Station im Museum hat Ralf Friedrich durchgeführt.

Projektfinanzierung
Die Projektfinanzierung in Höhe von 81.000 Euro wurde ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen und den Historischen Stiftungen der Hansestadt Lüneburg. 

Zum vorläufigen Abschluss und öffentlichen Präsentation begrüßte das Museum Lüneburg Frau Amke Wollers von der Stiftung Niedersachsen und Lars Tammen, Leiter Stiftungen der Hansestadt.

Amke Wollers, Stiftung Niedersachsen: 
"Wir fördern Museen - insbesondere die Vermittlungsarbeit in den Häusern, die Menschen erreicht und einbindet. Besonders wichtig ist uns dabei, Teilhabe und Beteiligung der Menschen zu ermöglichen. Mit dem Projekt ‚Memory der Dinge‘ ist genau dies gelungen: Menschen tragen ihre Geschichte in die Museen. Die entstandenen Filme sind bewusst niedrigschwellig gestaltet, ziehen ihre Zuschauer in kürzester Zeit in den Bann und bieten Raum für persönliche Erinnerungen. Für uns ist das ein beispielhaftes Modellprojekt, das auch für andere Regional- und Stadtmuseen richtungsweisend sein kann."

Lars Tammen, Leiter Stiftungen, Hansestadt Lüneburg: 
"Die Lüneburger Stiftung Hospital zum Großen Heiligen Geist hat mit ihrer finanziellen Förderung das Projekt ‚Memory der Dinge‘ im Museum Lüneburg unterstützt, das in idealer Weise ihrem Stiftungszweck entspricht: der Altenhilfe und dem generationenübergreifenden Miteinander. 
Alle Filme und Objekte sind eine große Bereicherung für die Besucherinnen und Besucher. Sie eignen sich hervorragend dazu, eigene Erinnerungen zu wecken und verbinden Generationen über die erzählten Geschichten hinweg. So bleibt Lüneburger Zeitgeschichte lebendig und leistet nicht zuletzt einen wichtigen Beitrag zur Gemeinschaft und Demokratie.“