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Larven. Verwandlungskünstler im Verborgenen

© Marek Kruszewski

Neue Ausstellung im Staatlichen Naturhistorischen Museum zeigt die Bedeutung früher Lebensstadien für unsere Ökosysteme

Sie sind klein, oft kaum sichtbar und werden leicht übersehen – dabei spielen Larven eine zentrale Rolle in den Ökosystemen unserer Erde. Die Sonderausstellung „Larven. Die kindische Seite der Biologie“ im Staatlichen Naturhistorischen Museum in Braunschweig widmet sich vom 26. Juni bis 29. November 2026 dieser häufig verborgenen Lebensphase von Tieren. Dabei zeigt sie nicht nur die faszinierende Vielfalt und Schönheit von Larven, sondern macht auch deutlich, welche Folgen der Verlust von Lebensräumen und biologischer Vielfalt für diese wichtigen Entwicklungsstadien und die daraus entstehenden Erwachsenen haben kann.

Obwohl Larven in nahezu allen Ökosystemen eine zentrale Rolle spielen, stehen meist nur die erwachsenen Tiere im Fokus unserer Aufmerksamkeit. Die Ausstellung rückt deshalb jene Lebensphase in den Mittelpunkt, die für viele Tierarten entscheidend ist und zugleich zu den am wenigsten beachteten Erscheinungen der Natur gehört.

Besucher*innen begegnen Larven aus Süßwasser, an Land und aus den Ozeanen – von Insekten und Krebsen über Seesterne bis hin zu Fischen und Amphibien. Hochauflösende Fotografien, Zeichnungen, Originalpräparate und eigens gefertigte Modelle machen sichtbar, was dem menschlichen Auge normalerweise verborgen bleibt. Dabei werden Larven ihren erwachsenen Formen gegenübergestellt und zeigen eindrucksvoll, wie stark sich Tiere im Laufe ihres Lebens verändern können.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen mehr als 30 dreidimensionale Modelle, die auf Grundlage mikroskopisch kleiner Originale digital rekonstruiert und anschließend mittels Lasertechnik (Vitrographie) in massive Glasblöcke graviert wurden. Die teils über fünf Kilogramm schweren Objekte verbinden wissenschaftliche Präzision mit einer beinahe künstlerischen Ästhetik. Ergänzt wird die Ausstellung durch Filme und interaktive Elemente.

Die wissenschaftliche Grundlage der Ausstellung bilden Forschungsarbeiten der Arbeitsgruppe von PD Dr. Carolin und Prof. Dr. Joachim T. Haug an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Untersuchungen zu Stachelhäutern der Arbeitsgruppe von Museumsdirektor PD Dr. Mike Reich. Die Forschungen zeigen, dass Larven weit mehr sind als bloße Vorstufen erwachsener Tiere: Sie übernehmen wichtige Funktionen in Nahrungsnetzen, dienen als Beute oder Räuber und prägen Ökosysteme an Land und im Meer maßgeblich mit.

Gerade vor dem Hintergrund des weltweiten Rückgangs der Biodiversität gewinnt dieses Wissen an Bedeutung. Viele Tierarten verbringen einen Großteil ihres Lebens als Larven. Wer Natur- und Artenschutz verstehen will, muss daher auch diese oft verborgenen Entwicklungsstadien in den Blick nehmen.

„Es ist wunderbar, dass wir hier in Braunschweig den oftmals wenig beachteten Larven nun eine eigene Ausstellung widmen können. Diese profitierte besonders von der direkten Zusammenarbeit mit Forschenden, speziell der LMU München und dem dortigen Forscherehepaar Carolin und Joachim Haug“, sagt Museumsdirektor PD Dr. Mike Reich.

Auch die beiden Kurator*innen PD Dr. Carolin und Prof. Dr. Joachim T. Haug möchten den Blick auf die oft übersehenen Entwicklungsstadien lenken: „Larven halten die Welt am Laufen.“

Die Ausstellung richtet sich an alle Naturbegeisterten und Neugierigen – von naturinteressierten Familien über Schulklassen bis hin zu Menschen, die die oft überraschende Schönheit und Vielfalt der Natur entdecken möchten.

Die Sonderausstellung wird im Rahmen einer Lichtenberg-Professur an der LMU München von der VolkswagenStiftung gefördert.

Daten und Fakten

Ausstellungstitel: Larven. Die kindische Seite der Biologie
Kurator*innen-Team: PD Dr. Carolin Haug, Prof. Dr. Joachim T. Haug, Tanja R. Stegemann, PD Dr. Mike Reich
Laufzeit: 26. Juni bis 29. November 2026
Ausstellungsort: Staatliches Naturhistorisches Museum (SNHM), Pockelsstr. 10, 38106 Braunschweig
Öffnungszeiten: Di–So von 9 bis 17 Uhr, Mi von 9 bis 19 Uhr
Eintrittspreise: Erwachsene 9 €, ermäßigt 7 €, Kinder (6–17 Jahre) 4 €
Katalog: 80 Seiten mit Abbildungen aller ausgestellten Glasmodelle inkl. weiterführenden Informationen zu Larven, 4,99 €, erhältlich im Museumsshop des SNHM
Kooperationspartner: Ludwig-Maximilians-Universität München, Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Zoologisches Museum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, Zoologische Sammlung der Universität Rostock, Naturhistorisches Museum Wien, Visolaser
Sponsor: VolkswagenStiftung, Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur (zukunft.niedersachsen), Gesellschaft für Naturkunde e.V.