Wie lassen sich die besonderen Gesundheitskompetenzen der niedersächsischen Heilbäder und Kurorte zeitgemäß weiterentwickeln? Welche neuen Angebote können aus natürlichen Heilmitteln entstehen? Und wie könnte die ambulante Vorsorge der Zukunft aussehen?
Mit diesen Fragen beschäftigten sich Vertreterinnen und Vertreter niedersächsischer Heilbäder und Kurorte beim ersten „Kurort-Lotse 2.0 – Innovationslabor“ des Heilbäderverbandes Niedersachsen in Bad Zwischenahn. Das neue Format knüpft an die erfolgreiche Qualifizierung zum Kurort-Lotsen an, geht jedoch bewusst einen Schritt weiter: Statt klassischer Wissensvermittlung standen gemeinsames Entwickeln, Austausch und neue Perspektiven im Mittelpunkt.
„Kur und Vorsorge haben auch heute enormes Potenzial. Gleichzeitig müssen wir uns immer wieder fragen, ob unsere Angebote noch zu den Lebensrealitäten der Menschen passen“, sagt Dr. Norbert Hemken, Vorsitzender des Heilbäderverbandes Niedersachsen. „Unsere Heilbäder und Kurorte bringen dafür mit ihren natürlichen Heilmitteln und ihrer medizinisch-therapeutischen Kompetenz beste Voraussetzungen mit.“
Von Thalasso, Kneipp und Moor über Sole und Schwefel bis zu Heilquellen kamen unterschiedliche Kompetenzen und Erfahrungen zusammen. Eine zentrale Regel des Tages lautete dabei: Erst denken, dann begrenzen.
„Nach dem Kurort-Lotsen legen wir mit Kurort-Lotse 2.0 noch einen drauf und gehen thematisch in die Tiefe“, erklärt Ilka Lemkemeyer, Geschäftsstellenleiterin des Heilbäderverbandes Niedersachsen und Initiatorin des Formats. „Wir wollten einen Raum schaffen, in dem zunächst einmal alles gedacht werden darf. Statt eine Idee sofort mit einem ‚Das geht nicht, weil …‘ zu beenden, haben wir gefragt: Was müsste passieren, damit es funktionieren könnte? Genau daraus hat sich eine enorme Dynamik entwickelt.“
Als Impuls wurde anhand eines konkreten Beispiels gezeigt, wie traditionelle Gesundheitskompetenzen konsequent von heutigen Zielgruppen, Bedürfnissen und Lebenssituationen aus neu gedacht werden können. Anschließend entwickelten die Teilnehmenden eigene Ansätze und bauten die Ideen der anderen weiter aus.
Inhaltlich reichte die Arbeit von der zeitgemäßen Weiterentwicklung natürlicher Heilmittel über neue Formen der ambulanten Vorsorge bis zur Frage, wie Gesundheitsangebote künftig stärker mit dem Alltag der Gäste verbunden werden können. Auch digitale Möglichkeiten und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Heilbädern und Kurorten wurden intensiv diskutiert.
Eine Teilnehmerin fasst den Tag zusammen:
„Das Besondere war, dass wir nicht bei dem geblieben sind, was wir ohnehin schon kennen. Aus einem Gedanken entstand der nächste, Ideen wurden aufgegriffen und weiterentwickelt – und plötzlich waren wir bei Lösungen, über die vorher vermutlich keiner von uns nachgedacht hatte. Genau diesen Austausch sollten wir fortsetzen.“
Und genau das soll geschehen: Die Runde hat vereinbart, sich in etwa einem halben Jahr erneut zu treffen, um ausgewählte Ansätze weiterzuentwickeln. Ergänzt werden soll sie dabei gezielt um wenige weitere Akteure, die zusätzliche Kompetenzen und Perspektiven einbringen.
„Für uns war wichtig, dass die Teilnehmenden nicht nur einen interessanten Tag erleben, sondern mit konkreten neuen Gedanken für ihren eigenen Ort nach Hause fahren“, so Lemkemeyer. „Dass daraus gleichzeitig der Wunsch entstanden ist, gemeinsam weiterzuarbeiten, ist für uns das schönste Ergebnis dieses ersten Innovationslabors.“
