- Donnerstag, 16. April 2026
- 11 Uhr
- Augusteum (Elisabethstraße 1, 26135 Oldenburg)
Als Gesprächspartner:innen werden anwesend sein:
- Dr. Anna Heinze, Direktorin des Landesmuseums Kunst & Kultur Oldenburg
- Jürgen Müllender, Vorstandsvorsitzender der Öffentlichen Oldenburg
- Gabriele Mesch, Geschäftsführerin der Kulturstiftung Öffentliche Oldenburg
- Leyla Yenirce, Künstlerin
Mit ihrer Ausstellung in Oldenburg kehrt Yenirce (*1992 in Qubînê) zurück in die Stadt, in der sie als Kind jesidischer Geflüchteter ihr erstes Zuhause in Deutschland fand. Diese biografische Verankerung bildet einen Resonanzraum für ihr künstlerisches Denken.
In den Installationen, Gemälden und Videowelten der Ausstellung verbindet Yenirce globale Themen wie Migration, feministische Selbstbehauptung und mediale Machtstrukturen mit persönlichen Erinnerungen an konkrete Orte, Stimmen und Begegnungen. So inszeniert die Künstlerin ein prägendes Sammlungsstück des Museums – Ernst Ludwig Kirchners Gemälde „Der Wanderzirkus“ (um 1920) – und jugendlich wirkende Wandzeichnungen gleichwertig nebeneinander.
Im Zentrum ihrer Malereien steht eine Reihe unterschiedlicher Frauen, die Yenirces Entwicklung maßgeblich geprägt haben. Ob real oder ideell: Die Stimmen der Frauen aus Kunst und Literatur, Bildung und Politik verstärkt die Künstlerin in ihren Arbeiten zu einem kämpferischen und lebensfrohen „Chor der Frauen“. In den großflächigen Ölmalereien tauchen sie, mittels Siebdruck dargestellt, am Mikrofon sprechend, singend und applaudierend auf.
Schließlich interessiert sich Yenirce für einen gegenwärtigen Blick auf Oldenburg. Für ihre Videoarbeit „Spotlight“ (2026) lässt sie ihren Bruder, einen passionierten Läufer, durch die dunklen Straßen der Stadt rennen. Seine Stirnleuchte wirft nur einen kleinen Lichtpunkt, der keine klare Orientierung bietet, aber immer in Bewegung bleibt.
Der Ausstellungstitel „Werdegang“ wird wörtlich genommen. Das Gehen als Prozess des Werdens am Beispiel der Biografie der Künstlerin oder des Läufers im Video: Ihre Bewegungen treiben sie durch die Straßen Oldenburgs oder – im Falle der Künstlerin – aus Oldenburg hinaus in die weite Welt und wieder zurück.
