Nach vier Jahren Pause wird das Kulturfestival DKKD wieder aufgelegt und verwandelt Hann. Münden vom 3. bis zum 11. Oktober 2026 in einen Kulturhotspot. Die Vorbereitungsarbeiten laufen auf Hochtouren, der Kartenverkauf beginnt in der Vorweihnachtszeit, Förderungen sind auf dem Weg, Künstlerinnen und Künstler können sich ab Dezember bewerben. Engagierte Bürgerinnen und Bürger werden zur Unterstützung dringend gesucht.
Ein leichter Duft von Nichtbeachtung liegt in der Luft, abgeschraubte Heizkörper, Spinnweben und eingerissene Tapeten. Als Kontrast die prachtvolle Sonnenuhr an der Hausfassade - das Fachwerkhaus in der Lange Straße 20 in Hann. Münden lässt erahnen, was für ein Schatzkästchen es ist: „Es ist ein Meisterwerk der Renaissance und in eines der großen Fachwerkhäuser in unserer Stadt“, weiß Burkhard Klapp, Sprecher der AG Bau im Verein Denkmalkunst-Kunstdenkmal e.V. zur Besonderheit des Hauses. Aus diesem Grund hat er es für die Auftakt-Pressekonferenz ausgesucht.
In rund 330 Tagen wird das Sonnenuhrenhaus durch Künstler:innen und Besucher:innen zu prallem Leben erweckt, wie viele andere Fachwerkhäuser in Hann. Münden, die trotz ihrer Lage mittendrin wenig Beachtung finden. Das Kunstfestival DenkmalKunst-KunstDenkmal kehrt nach vierjähriger Pause zurück. Die Zeit um Corona sowie eine Neufindung im Verein plus der Entscheidung fürs ehrenamtlich organisierte Festival mit der Hann. Münden Marketing GmbH (HMM) einen professionellen Partner mit ins Boot zu holen, waren wichtige Schritte, für die man Geduld brauchte. „Das Festival ist so gewachsen, dass wir gerne helfen und ein engagierter Partner sind. Ehrenamt braucht Hauptamt“, betont Bürgermeister Tobias Dannenberg, der mit HMM-Geschäftsführer Matthias Biroth eine enge Kooperation mit dem DKKD-Verein geschlossen hat. Mittlerweile hat das von rund 200 ehrenamtlichen Menschen in Hann. Münden auf die Beine gestellte Festival eine Bekanntheit erreicht, die mit hohen Erwartungen verbunden ist.
Bewerbungen ab Dezember 2025
Der Vorstand aus fünf Frauen, musste sich zusammenfinden, die Arbeitsgemeinschaften, die für Kunst, Bühne, Gebäude, Finanzen, Soziokultur sowie Organisation und Ehrenamt verantwortlichen sind, brauchten mehr Köpfe. Das dauerte - aber jetzt wird im Hintergrund schon fleißig gearbeitet, zum Beispiel in Sachen Finanzierung. Das vergangene Festival hatte eine Budgetgröße von 230.000 Euro. 2026 liegt sie geschätzt bei 250.000 Euro. „Glücklicherweise waren die ersten Gespräche schon sehr positiv. Die VR-Bank wird wieder Hauptsponsor sein“, erzählt Conny Staub, Sprecherin der Finanz AG. Auch die öffentlichen Gelder sind schon länger beantragt, teilweise sogar schon mündlich zugesagt.
„Wir sind wirklich glücklich, dass wir beispielsweise wieder aus dem Förderungsprogramm für ländliche Regionen LEADER Mittel erhalten“, erklärt Lore Puntigam, zuständig für die öffentlichen Förderungen und Sprecherin der Kunst-AG. Diese muss in den nächsten Monaten Schwerstarbeit leisten. Gut 30 Einzelausstellungen nationaler Künstler und jeweils 10 Einzel- und Gruppenausstellungen regionaler und lokaler Künstler zeigt das Festival. „Ab Dezember können sich die Künstlerinnen und Künstler bewerben. Nach der Erfahrung der letzten Festivals müssen wir dann aus mehr als 300 Bewerbungen in einem hochaufwändigen Verfahren auswählen.“ Die Jury, die sich aus erfahrenen Kulturschaffenden zusammensetzt, entscheidet im März 2026.
Neuer Spielort Bahnhof
Hochsaison bei Verhandlungen haben auch die Sprecherinnen der AG Bühne, Conny Jordan und Sylke Warnecke: „Wir planen 40 bis 45 Veranstaltungen, das heißt fünf bis sechs pro Abend.“ Vorgespräche, Auftrittsbedingungen, Wunschlisten und schlussendlich die fertigen Verträge gemeinsam mit der HMM sind zu wuppen, um ein hochattraktives Bühnenprogramm anzubieten. Namen der Bands und Kulturschaffenden können natürlich erst dann genannt werden, wenn die Verträge unter Dach und Fach sind. Ein kleines Highlight darf allerdings schon jetzt verraten werden: „Erstmals bespielen wir den Bahnhof in Hann. Münden“. Eine großartige Location. „Wir haben auch schon Etliches in Planung, aber Zusagen können wir erst treffen, wenn die öffentlichen Fördermittel verbindlich zugesagt sind“, wissen Martina Görtler und Elke Steden, die als AG Soziokultur einen „Each one Teach eine Day“ sowie ein Familientag organisieren.
Ehrenamtliche dringend gesucht
Organisation ist ein tragendes Stichwort beim Festival DKKD, denn wie in den letzten Jahren steht und fällt das Gelingen mit den ehrenamtlichen Helfern, der Unterstützung durch Gastronomie und Hotellerie und einer guten Infrastruktur. Mit den Sprecherinnen Britta Köwing und Bärbel Brockhoff sind zwei erfahrenen DKKD-Aktivistinnen am Ruder, die ihr Team noch weiter verstärkt haben. „Wir werden, und darüber sind wir glücklich, mit offenen Armen empfangen. Zum 28.11. laden wir ab 19 Uhr ins Geschwister-Scholl-Haus zu einer großen Informationsbörse ein, damit jeder, der gerne mitmachen möchte, seinen Lieblingsbereich findet,“ erklärt das Duo.
Das Plakat zum Festival
Eine abgerissene Ecke einer Tapete im 50-er Jahre Design verrät, um was es beim DenkmalKunst-KunstDenkmal-Festival geht. Um alte Wände in geschichtsträchtigen Häusern, die neue Kunst in sich aufnehmen und präsentieren. „Ich beziehe mich in meinem Plakatentwurf auf den ursprünglichen Sinn des Festivals“, erklärt Designer Frank Bebenroth. 2007 richteten Uta von Schenck und Bernd Demandt erstmals das Festival aus einer Protestaktion gegen den Abriss eines historischen Ensembles in der Hann. Mündener Altstadt aus. Ihre Vision war es, die leerstehenden Gebäude in der Mündener Altstadt durch Kunst so in Szene zu setzen und sie damit ins Blickfeld von potenziellen neuen EigentümerInnen zu rücken.
