Immer der Rose nach
Das Schild mit der Blüte weist im Osnabrücker Land Radfahrern den Weg zu „Offenen Gartenpforten“
Osnabrück,
08.07.2010
|
In Großbritannien ist die „Offene Gartenpforte“ ein 80 Jahre alter Evergreen, und auch in Deutschland treibt die Idee, Privatgärten für interessierte Gäste zu öffnen, immer neue Blüten. Eine der schönsten: die „GartenTraum-Tour“ im Osnabrücker Land. Sie hat ihre Wurzeln in einer privaten Initiative, die sich vor elf Jahren gründete und verknüpft heute 37 der schönsten Gärten der Region durch einen 167 Kilometer langen Rad-Rundweg.
Im Garten durch Versuch und Irrtum zu lernen, ist eine langwierige Sache. Den Fehler dieses Jahres kann man meist erst im nächsten Frühjahr ausbügeln. Besser ist es da, von anderen zu lernen, sich in anderen Gärten Tipps und Anregungen zu holen. Deshalb – und selbstverständlich weil Menschen nun mal neugierig sind – ist die Idee der offenen Gartenpforten so beliebt. Per Fahrrad lassen sich im Osnabrücker Land immerhin fünf bis sechs Gärten pro Tag anschauen. Mehr aber auch nicht: Zwar sind einige Anlagen recht klein, aber wer seine Gartenpforte öffnet, hält in aller Regel seinen Mund nicht geschlossen: Man kommt allzu leicht ins Plaudern. Bei Hans-Jürgen Ehlert zum Beispiel, der sein immenses Wissen über Fuchsien gerne teilt. Der Rentner sammelt seit fast 40 Jahren, hat auf nur 450 Quadtratmetern Reihenhaus-Grün inzwischen 330 Sorten beisammen. Das ist noch enger, als es klingt: Da die Fuchsie nicht winterhart ist, braucht Ehlert auch noch ein Glashaus für die kalte Jahreszeit – und das im kleinsten der 37 Gärten dieser Tour.
Ehlerts Garten liegt im äußersten Südosten des Rundkurses in Bad Essen, er ist also fast direkter Nachbar des größten Gartens der Traum-Tour: Schloss Ippenburg, dieses Jahr doppelt reizvoll wegen der niedersächsischen Landesgartenschau. Allein dafür sollte man allerdings einen ganzen Tag einplanen.
In der anderen Richtung führt der vorbildlich ausgeschilderte Radweg am Mittellandkanal entlang und durch das schmucke Fachwerkstädtchen Bad Essen und schließlich zum Generationengarten am „Meyerhof zu Stirpe“, den heute Ulrike Mithoff hegt und pflegt. Viele kommen her, um die uralten Robinien zu bestaunen, die man eigentlich nur als kleine, zu Kugeln gestutzte Hausbäumchen kennt. Hier sind sie auf gut 20 Meter herangewachsen und werfen ihren Schatten auf die romantische Anlage voller Rosen und herrlicher Staudenrabatten. Den Hintergrund für den Garten bildet der grüne Höhenzug des Wiehengebirges und auch Ulrike Mithoff hat es bei der Anlage der Beete schon mit einigen Höhenunterschieden zu tun. Terrassiert wurde hier sehr reizvoll mit Natursteinen. Überhaupt spielen Steine hier eine große Rolle, sogar eine Bank wurde aus Ziegeln errichtet. Zum Sitzen lädt diese freilich nur an sehr warmen Tagen ein.
Nicht in erster Linie für Menschen sondern hauptsächlich für Vögel scheint Klaus Mees seinen Garten angelegt zu haben: Auf 7000 Quadtratmetern hat er rund um sein reetgedecktes Fachwerkhaus eine Streuobstwiese gepflanzt, wie sie noch in den 1970er-Jahren typisch für das Osnabrücker Land war. Einige seltene Nutzgehölze wie Mispeln, Quitten und verschiedene Nussbäume gedeihen hier auf der blütenreichen Wiese. Fast 100 Nisthilfen hat er in seinem Garten verteilt, und „nahezu alle sind belegt“, sagt der ehemalige Zahnarzt stolz. Den Garten für die Vögel wissen auch die Menschen wohl zu schätzen: Klaus Mees erhielt unlängst den Naturschutzpreis des Landkreises Osnabrück.
Will man private Gärten wie diesen besuchen, so muss man sich vorher telefonisch anmelden – ansonsten kann es leicht passieren, dass man vor verschlossenen Gartenpforten steht. Allerdings liegen an der Route auch eine Reihe von stets geöffneten Gärten. So gehören zu den Museen der Region in aller Regel auch Grünanlagen. Am Eisenzeithaus in Venne, einem Nachbau einer prähistorischen Wohnstätte, werden Getreide und Gemüse angebaut, das die Menschen schon vor Jahrtausenden gegessen haben. Am Tuchmacher Museum in Bramsche, sehr hübsch am Flüsschen Hase gelegen, werden alte Färberpflanzen wie Wau und Waid angebaut. Und schließlich gehört auch zum Varus-Schlacht-Museum in Kalkriese ein Park.
Aber auch in den privaten Gärten lässt sich manch spannende Geschichtsstunde erleben. Zum Beispiel bei Familie Kuhn in Venne, gar nicht weit vom Eisenzeithaus entfernt. In den 1970er-Jahren zogen Gudrun und Erwin Kuhn hier ein und haben seither schier Unglaubliches
geleistet. „Bis 1840 war dies hier das Armenhaus von Venne“, erfährt man. „Im letzten Winkel der Gemeinde und schon fast im Sumpf gelegen.“ Ärmlich wirkt das schmuck renovierte Haus heute keineswegs mehr. Der Garten, eine frühere Kuhweide von 4000 Quadtrametern Größe, ist in verschiedene Räume aufgeteilt, die eine Reihe von spannenden Kontrasten bieten: Akkurat in Form geschnittene Buchsbäume gibt es hier genauso wie ein Stückchen Sumpf, das sich selbst überlassen scheint. Das Haus spiegelt sich im ordentlich eingefassten Gartenteich, nebenan murmelt wild ein Bach unter Weidenbäumen.
Dem Kenner bietet der Garten einige Highlights: einen hierzulande seltenen Taschentuchbaum zum Beispiel, eine spät blühende Art des Tulpenbaums sowie einige sehr starkwüchsige Rhododendren und noch weitere Exoten.
Ein Sammlergarten völlig anderer Art ist der von Heiner Niemann. „Anfangs hatten wir hier auch mal Rasen und Gemüsebeete“, erzählt er zu Beginn des Rundgangs durch seinen „asiatischen Bauerngarten“, der sehr dicht und üppig zugewuchert ist. Verschiedene Arten Bambus hat Niemann hier gesammelt, aber auch diverse Rosen. Vor allem aber sammelt der Hausherr Gegenstände, die sich irgendwie zur Dekoration eignen: Zink-Gießkannen, Werkzeuge aus einer ehemaligen Schmiede, Ton-Büsten und eine weiß lackierte Zimmertür aus Eiche, die etwas überraschend am Ende eines Weges steht. Öffnet man sie, so sieht man dahinter: den asiatischen Bauerngarten. Niemann hilft dann aber, den richtigen Ausgang zu finden.
Wenn Renate und Gerd Zikoll einen Rhododendron-Busch pflanzen wollen, müssen sie nicht eigens Torf dafür kaufen: Ihr Garten liegt mitten im Schwegermoor nördlich von Bohmte-Hunteburg. Allerdings bietet der Naturtorf den meisten anderen Pflanzen keine optimalen Bedingungen. Bäume finden in dem allzu lockeren Boden keinen festen Halt, für Rosen ist er zu sauer und enthält viel zu wenige Nährstoffe. Dennoch bringt Renate Zikoll mit Dünger und guter Pflege Dutzende von Rosen hier zu schönster Blüte. Daneben schätzt sie Stauden, die sie zwischen reizvoll geschwungenen Trockenmauern zu farbenprächtigen Beeten kombiniert hat. Bei den Zikolls herrscht übrigens eine strenge Arbeits-Teilung: Sie kümmert sich um die Pflanzen, er als ehemaliger Tischler ums Handwerkliche. Und dies mit augenscheinlichem Eifer: Hinterm Haus steht die noch ganz neue Torfstecher-Hütte, vor dem Haus ein ebenfalls nagelneuer Pavillon.
Doris und Jürgen Schneider gehören zu den Gründungsmitgliedern der Offenen Gartenpforte im Osnabrücker Land, das heißt: Sie sind bereits seit 11 Jahren dabei. Die Idee gefiel ihnen deshalb so gut, weil „wir uns das damals schon gewünscht hätten, als wir gebaut haben“. So aber bekamen sie nicht die richtigen Tipps und Anregungen und pflanzten, was in den 1970er-Jahren üblich war: hohe und immer höher wachsende Tannen als Sichtschutz. Die haben sie längst wieder gefällt, und heute klimmen Sanddorn und Ramblerrose an der Hauswand um die Wette, rund um den Gartenteich mit Bachlauf blühen Stauden und im Mai der weiße Rhododendron. Überraschende Akzente setzen in den Beeten Geländerstücke. „Die stammen von einigen Brücken des Zweigkanals.“ Diesen Zubringer zum Mittellandkanal musste man vor einigen Jahren verbreitern – und dafür eben auch die Brücken neu und größer bauen. Jürgen Schneider rettete Teile der schönen eisernen Jugendstil-Geländer vor der Verschrottung. Und machte nebenbei den eigenen Garten noch unverwechselbarer.
Diesen Artikel als PDF herunterladen (198KB)
Region: Osnabrücker Land
Thema: Aktivurlaub, Radfahren
Pressekontakt
Tourismusverband Osnabrücker Land e.V.
Angelika Hoffstädt
Postfach 4149
49031 Osnabrück
0541 / 9511111
0541 / 9511122



