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Grafschaft Bentheim - Portrait

Die Grafschaft Bentheim liegt direkt an der niederländischen Grenze und ragt wie eine Bucht in unser Nachbarland hinein. Viele Niederländer und Grafschafter "shoppen" und "fietsen*" grenzüberschreitend. Die reizvolle Landschaft lädt zu Erkundungen ein, dabei bieten die unterschiedlichsten Veranstaltungen und Freizeitangebote für jeden etwas. Auch im kulturellen und wirtschaftlichen Bereich bestehen seit langem feste Kontakte sowie Beziehungen zwischen den Niederlanden und der Grafschaft Bentheim.
*Fietse = Fahrrad, fietsen = Fahrrad fahren 

Geographie/Geschichte

Der Landkreis Grafschaft Bentheim liegt im Südwesten von Niedersachsen an der Staatsgrenze zu den Niederlanden und an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen. Kreisstadt und größte Stadt des Landkreises ist Nordhorn mit rund 53.000 Einwohnern. Im Norden und Osten grenzt der Landkreis an den niedersächsischen Landkreis Emsland, im Süden an die nordrhein-westfälischen Kreise Borken und Steinfurt. In seiner heutigen Form besteht er seit mehreren hundert Jahren und ist deutschlandweit die einzige noch existierende „Grafschaft“.

Die Grafschaft Bentheim ist überwiegend landwirtschaftlich geprägt, im Norden befinden sich große Moor- und Heidegebiete, im Süden erstreckt sich mit dem Bentheimer Berg ein Ausläufer des Teutoburger Waldes (100 m ü. NN.). Der Fluss Vechte durchzieht die Grafschaft Bentheim der Länge nach von Südost nach Nordwest und prägt die Landschaft seit jeher als Siedlungsraum und Verkehrsweg. Die Wasserscheide zwischen der Vechte als Zufluss des Ijsselmeeres und der in den Dollart mündenden Ems markiert auch die Grenze zwischen der Region Emsland und Grafschaft Bentheim. Daneben prägen die im Zuge der Industrialisierung geschaffenen Kanäle sowie viele kleinere Bäche und Seen diesen vielfältigen Landschaftsraum.

Die Geschichte der Grafschaft lässt sich bis in das Jahr 1050 zurückverfolgen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Nordhorn als einer der größten Standorte der Textilindustrie in Deutschland. In dieser Zeit arbeiteten rund 14.000 Menschen in den Textilfabriken. Heute existieren fast alle Textilunternehmen aus Nordhorn nicht mehr oder haben die Produktion ins Ausland verlagert. 

Wirtschaft

Die Kreisstadt Nordhorn, wirtschaftliches und kulturelles Mittelzentrum der Grafschaft, ist durch seinen Gewerbe- und Industriepark (GIP) bekannt. Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich dort unter anderem das Grafschafter TechnologieZentrum etabliert, eine Denkfabrik, die Hilfestellungen (Räume, Dienstleistungen, Management) für junge Unternehmen von der Produktentwicklung bis zur Produktreife bietet. Nach dem Niedergang der Textilindustrie seit Beginn der 80er Jahre wandelte sich Nordhorn mehr und mehr zu einem Dienstleistungszentrum. In anderen Orten der Grafschaft gibt es vor allem landwirtschaftliche Betriebe sowie handwerklich-produzierendes Gewerbe und Handel, seit einigen Jahren auch verstärkt Tourismus.

Zu den größten Unternehmen gehören die Textilfirma WKS in Wilsum, die WAS Wietmarscher Ambulanz- und Sonderfahrzeug GmbH in Wietmarschen und die Georg Utz GmbH in Schüttorf (Kunststoffverarbeitung).

Zu den wichtigsten Rohstoffen gehören Sand und Kies, die vornehmlich in Wilsum, Gölenkamp und Itterbeck abgebaut werden. In einigen Orten werden in geringen Mengen Erdöl und Erdgas gefördert. Derzeit bohrt Gaz de France in Ratzel zwecks Exploration nach Erdgas.

Im Mai 2011 lag die Arbeitslosenquote im Landkreis bei 4,5 Prozent und somit deutlich unter dem niedersächsischen Durchschnitt von 6,8 Prozent und dem Bundesdurchschnitt von 7,0 Prozent. Der Bezirk Nordhorn hatte zu diesem Zeitpunkt mit 3,5 Prozent sogar eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten der Nordhälfte Deutschlands. 

Tourismus

Die Grafschaft Bentheim ist vielerorts touristisch geprägt. Bekannt ist sie für ihren Fahrradtourismus mit einem knapp 1.200 Kilometer langen Radwegenetz sowie dem „Fietsenbus“. 2007 und 2011 wurde der Landkreis als fahrradfreundlichster Landkreis Niedersachsens ausgezeichnet. Auf zahlreichen grenzüberschreitenden Radrouten kann man auch die benachbarten Niederlande mit dem "Fietse", wie Fahrräder hier in Anlehnung an den niederländischen Wortstamm genannt werden, entdecken. Das Radwegenetz ist mit den umliegenden Landkreisen verknüpft, so dass grenzenloses Radeln hier zum Alltag gehört. Doch auch zu Fuß hat die Grafschaft einiges zu bieten. Auf zahlreichen kleinen Wanderwegen lassen sich Hügelgräber entdecken, die Heide erkunden, hunderte Wind und Wassermühlen besuchen oder die Sandsteinklippen am Isterberg bewundern. 

Kulinarisch

„Erhalten durch Aufessen“, ist die Devise des Vereins zur Erhaltung des „Bunten Bentheimer Schweins e.V.“. Das Bunte Bentheimer Schwein ist eine stark bedrohte alte Haustierrasse, deren Geschichte Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt. Ihre Blütezeit erlebten die „Bentheimer“ um 1950. In den sechziger Jahren galt die Schweinesorte bereits als ausgestorben, bis ein pfiffiger Landwirt sie im Alleingang weiterzüchtete.

Als weitere kulinarische Delikatesse gilt das Bentheimer Landschaf, das ebenfalls vom Aussterben bedroht war, bis sich einige Züchter auf dieses Tier spezialisierten.

Eine regionale Spezialität sind auch die Bentheimer Moppen: Weihnachtskekse mit Kümmelgeschmack. Zum Jahreswechsel backen viele Familien in der Grafschaft Bentheim Schoosollen - im Hochdeutschen Schuhsohlen. Das sind flache feste Kuchen in Form einer Schuhsohle, die mit einem alten schweren handgeschmiedeten Kucheneisen über dem offenen Feuer gebacken werden.